PaaR-EVOLUTION

Paar- und Sexualtherapie:

                         PaaR-EVOLUTION Copyright 2008 by Ute Mahr

am effektivsten als “paarorientierte Einzelarbeit” *::

Paarbeziehung - eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit
                
Paarbeziehung gelingend zu leben ist die große Herausforderung unserer Zeit - und das fasziniert mich. Dieses existentielle Thema unseres Menschseins in der Tiefe zu begreifen und in Richtung auf Erfüllung zu fördern ist mir ein tiefes Seelenanliegen.

Paar- und Sexualtherapie funktioniert nach völlig anderen Mechanismen als Einzeltherapie - das habe ich in langen Jahren verschiedenster Therapiepausbildungen am eigenen Leibe erfahren müssen und dürfen.
Und: Durch meine eigene Scheidung - trotz intensiver Paartherapie (Paarsynthese nach M. Cöllen) - , einer neuen Ehe, vielen Krisen und intensivem Lernen mußte ich viele Inhalte meiner erlernten Paartherapie-Methodik in Frage stellen und lernte immer mehr über jene Mechanismen, die eine Beziehung wirklich zusammenhalten. Interessanterweise ist es eben nicht einfach die Liebe oder, dass man sich “gut versteht”, was ein Paar zusammenhält.

Dass eine Partnerschaft hält und eine positive Dynamik bekommt, daran sind viele Faktoren beteiligt, wie z.B. wie intensiv der einzelne eine Partnerschaft will, die sog. Kosten und Nutzen, die gemeinsamen tief-seelischen Themen und vorallem auch das Sich-Ergänzen der unterschiedlichen Dynamik des Weiblichen und Männlichen zu einer Ganzheit - körperlich, psychisch und tief-seelisch.

Während wir in der individuum-orientierten Einzeltherapie an der Ganzwerdung des Individuums arbeiten und an der Entfaltung des in der Seele eines Menschen angelegten Potenzials, ist für das Gelingen einer Paarbeziehung vor allem auch die Integration der mit unserem Geschlecht als Frau oder Mann verbundenen Impulse nötig. Es gilt uns unserem fundamentalen Frau- oder Mannsein zu stellen und unser individuelles Menschsein damit in Einklang zu bringen. Und beides folgt unterschiedlichen Prinzipien (vgl. unter “Philosophie”: “Archemah-Struktur”).
Ein spannender Prozess des Menschseins in seinen vielen Facetten beginnt, der auch bis ins hohe Alter spannend, zutiefst herausfordernd und erfüllend zu sein vermag.

Nur - “einfach schön” und “unkompliziert” ist  eine erfüllende Paarbeziehung, die auch die sexuelle Attraktion über Jahre zu erhalten vermag,  sicher nicht ...

   (Das Konzept läßt sich auch gut auf homosexuelle Paare übertragen.)

 

Warum Paartherapie häufig wenig bringt für das Glück,
                                     die Lust und die Bindung eines Paares...

 Paartherapie ist normalerweise eine der uneffektivsten Therapieformen aus folgenden Gründen:
1. Eine sexuelle Paarbeziehung bringt sehr bald unsere verborgensten Seelenthemen und
   Schattenseiten ans Licht.
2. In unserer konsumorientierten Gesellschaft sind wir es nicht mehr gewohnt, uns mutig aus Liebe
   unseren Schattenseiten zu stellen,
   sondern erwarten von einer Partnerschaft Bedürfnisbefriedigung.
3. In einer längerfristigen Partnerschaft ist die Neigung der Menschen sehr ausgeprägt,
   die Verantwortung für die unangenehmen Gefühle dem Partner zuschieben.
4. Aus diesen Gründen wird die Dynamik zwischen zwei längerfristigen Liebespartnern häufig extrem
   negativ, die Partner wollen sie gelöst haben und reagieren wütend auf den Therapeuten, wenn dies
   nicht zügig passiert oder dieser unangenehme Aspekte ihrer Persönlichkeit anspricht, denen
   ins Gesicht zu schauen jedoch zur Lösung ihrer Probleme nötig wäre.

D.h. die meisten Paare kommen mit Unzufriedenheit in die Paartherapie und wollen, dass das Problem abgestellt wird. Nur - leider verursachen sie selbst ihr Problem. Aus diesem Grunde kann kein Therapeut das Problem einfach wegtherapieren, sondern es bedarf eines großen, inneren Mutes und einer tiefen Bereitschaft, sich den eigenen Schattenseiten zu stellen. Denn erst, wenn wir unsere eigenen Schattenseiten in Liebe annehmen und bereinigen, werden wir frei , um unserem Partner wirklich in Liebe zu begegnen und ihn nicht mehr als Projektionsfläche unserer Schattenseiten zu benötigen.

D.h. effektive Paartherapie muß mehr als normale Einzelarbeit die schmerzvollen Schattenseiten ansprechen - und dazu sind viele Menschen eigentlich gar nicht bereit. Sie möchten Problemlösung, wieder mehr Lust, den Partner endlich “anders” haben etc.. Natürlich: wir können an diesem Punkt viel “drumherum-therapieren”, Kommunikationsfähigkeiten schulen, “gegenseitig alles aussprechen” etc.. Nur - wir kommen nicht darum herum, dass das nötige “über das eigene Ego zum Du hinauswachsen” mit einem schmerzhaften Aufbäumen des eigenen Egoismus verbunden ist, den es gilt, zu  erkennen und aushalten zu lernen.
 

Deshalb: PaaR-EVOLUTION als paarorientierte Einzelarbeit

Aus diesen Gründen bin ich dazu übergegangen, Paartherapie zunächst nur noch als paarorientierte Einzelarbeit für diejenigen anzubieten, die wirklich an sich arbeiten wollen, um ihre Partnerschaft glücklich zu machen. Denn in dem geschützten Rahmen der Einzeltherapie kann sich der Einzelne leichter mit seinen Anteilen auseinandersetzen und das gegenseitige Schuld-Zuschieben fällt weg. Die Orientierung bleibt auf den Paarthemen und wir nutzen die verschiedensten Methoden der Paar- und Sexualtherapie, sowie individualpsychologisch und systemische Methoden.

Wenn beide zunächst einzeln kommen und die Zusammenarbeit effektiv ist, können auch Paarsitzungen stattfinden - aber nicht von Anfang an.

 

Folgende Themenbereiche gehören für mich ebenfalls zur Paartherapie bzw. paarorientierten Einzelarbeit:

  • Sexualtherapie
  • ungewollte Kinderlosigkeit
  • ungewolltes Singlesein
  • Ehe-Vorbereitung, Eheberatung
  • Beratung lesbischer und schwuler Paare
  • Scheidungsbewältigung
  • Kindererziehung bei Scheidungskindern
  • Hilfe für Patchwork-Familien

Weitere Einflüsse auf meine Form der Paar-Arbeit sind neben den Ergebnissen der modernen Paarpsychologie (vgl. Grau und Bierhoff, Sozialpsychologie der Partnerschaft, Berlin 2003) und der systemischen Paar- und Familientherapie vorallem “Ein Kurs in Wundern”, die Arbeit von Dr. Chuck Spezzano und mein 10jähriges Lernen bei dem Schamanen und Gestalttherapeuten Hugo-Bert Eichmüller.

Eine therapeutisch-wirksame Vertiefung
                           als Einstieg in die gemeinsame Arbeit...
      

Ein kleines Resume nach vielen Jahren Paararbeit (Vortrag):
Über die Jahre habe ich viele verschiedene Methoden und Konzepte von Paartherapie kennen gelernt. Fast alle haben keine hohen Erfolgsquoten (vgl. Grau und Bierhoff, Sozialpsychologie des Paares, Berlin 2003) und schon gar nicht bei der heute so häufigen sexuellen Lustlosigigkeit in langjährigen Partnerschaften..

Warum?
Weil es eines der letzten, großen ungelösten Rätsel der Menschheit ist, eine längere Partnerschaft glücklich zu leben.
Noch keine Kultur konnte hierfür umfassende, funktionierende Konzepte aufstellen. Und die meisten Paartherapeuten selbst sind geschieden. Auch ich habe mit meinem ersten Mann Paartherapie-Ausbildung gemacht – und wir trennten uns während der Ausbildung. Und ich begriff, wie wir uns um die zentralen Themen herumgemogelt hatten, obwohl wir doch so engagiert an uns gearbeitet hatten. Und: dies war von den Therapeuten nicht erkannt worden oder angesprochen worden.

Auf der Suche nach tiefer-heilenden Konzepten und Methoden für Partnerschaften befasste ich mich intensiv mit dem Schamanismus, mit dem Wissen der alten Völker, mit dem “Kurs in Wundern”, mit der “Psychology of Vision” von Chuck Spezzano und mit verschiedenen Methoden der Familienaufstellung. Und ich lernte, tiefer zu schauen, als nur auf die psychischen Mechanismen zwischen den Partnern. Ich lernte, zu erspüren, was Mann und Frau aneinander bindet – jenseits der psychischen Mechanismen, und wie diese Kräfte kultiviert werden können. Denn Mann und Frau mussten seit Urzeiten zusammenbleiben, um den Nachwuchs aufzuziehen – lange vor der Erfindung der Paartherapie. Und sie mussten miteinander klarkommen und Sex haben, sonst hätten sie weder überlebt, noch im Alter Nachkommen zum Versorgen gehabt.

Und doch:
Kaum eine menschliche Dynamik kann heute so zerstörerisch werden, wie die innerhalb einer Partnerschaft. Kaum etwas bringt unsere Seelenthemen so direkt ans Tageslicht, wie die langjährige Sexualität zwischen Liebenden. Nacktheit und Intimität in einer langjährigen Partnerschaft zeigen unsere innere Wahrheit – was wohl ein Grund ist, warum so viele Menschen keine Lust mehr auf ihren Partner haben, anstatt sich in Liebe ihrer Wahrheit zu stellen und daran zu wachsen.
Wir können so vieles schön reden, uns soviel vormachen – aber das Miteinander und die Sexualität innerhalb einer langjährigen Partnerschaft zeigen uns, wo die Partnerschaft wirklich steht und, wo wir als Menschen in der Entwicklung unserer Liebesfähigkeit stehen. Und das wollen wir leider oft lieber nicht anschauen.
Dieses Lernen geht über das Lernen in einer  “normalen” Einzeltherapie weit hinaus, da es den Menschen über das Ich hinauswachsen lässt. Gerade für therapieerfahrene Menschen ist dies oft sehr enttäuschend, wenn sie dachten, sich nach all der Therapie auch im Leben einer Partnerschaftt leichter zu tun, was aber leider nicht der Fall ist - , einfach, weil es die nächste Stufe des Lernens ist: Zunächst erfahre ich mich selbst, und dann wachse ich über mein Ich hinaus zum Wir. Dies ist etwas völlig Neues und Anderes als in der einzel- oder gruppentherapeutischen Arbeit geschieht.
 

Dieses Hinauswachsen über die Grenzen des Ego ist immer mit Schmerzen verbunden, da das Ego sich sozusagen aufbäumt. Und die Schuld an diesen inneren Schmerzen der Abwehr schieben wir gerne dem Partner zu. Ohne ihn hätten wir diese Schmerzen nicht – was ja stimmt. Leider haben wir keine Kultur mehr zum Lernen am Schmerz, wie dies bei den Naturvölkern, aber auch im Schamanismus noch gelehrt wird.
Es gibt Schmerz, der uns vor realen Gefahren warnt und es gibt den Abwehr-Schmerz des Egos, der uns zeigt, worin wir weiter wachsen können – wie beim Dehnen von verkürzten Muskeln oder beim Entbinden eines Kindes. Wir können wieder lernen, beides zu unterscheiden. Im Zulassen und Durchatmen des Abwehr-Schmerzes erstarken wir, denn wir erkennen, dass wir mehr sind als unser begrenztes Ego. Wir können mit Hilfe unserer Wachstumsschmerzen quasi als Suchscheinwerfer in der Partnerschaft unser Bewusstsein und unsere Fähigkeiten zu Frieden und Glück erweitern. Und jeden Schritt, den wir wachsen, werden uns die nachfolgenden Generationen danken, da die alten Dramen nicht mehr Generation um Generation weitergegeben werden.

Also:
Partnerschaft ist ein elementares Lebensthema, das unser Innerstes nach außen bringt – und dementsprechend brauchen wir Mut, Ausdauer und Wahrheitsliebe, um uns unseren Schatten zu stellen. Der andere ist nur Statist in unserem eigenen Spiel – wenn wir das erkennen, und die Schuldzuschreibungen lassen, sind wir ein großes Stück weiter.
Und – als elementares Lebensthema ist Partnerschaft eben immer auch mit Schmerzen verbunden – wie Entbinden und Geboren-Werden. Diese Schmerzen, wenn wir in neues Gebiet vordringen, müssen wir wieder als Wachstumsschmerzen nehmen lernen, statt vor ihnen davonzurennen zum nächsten Partner, zum Mauer-Bauen unserem Partner gegenüber oder Zorn gegen den Therapeuten, der uns auf unsere Ego-Barriere aufmerksam gemacht hat.

Aber, wie kann eine Paartherapie effektiv werden?
Nur, wenn beide Partner wirklich bereit sind, und das heißt, bereit, ihren Seelenthemen ins Gesicht zu schauen. Und dies ist leider zumeist nicht der Fall.
Sogar bei therapieerfahrenen KlientInnen konnte ich erleben, dass sie sich eine schöne Illusion gebaut hatten: vertraut, aber nicht wahr – und furchtbar zornig wurden, wenn diese angesprochen wurde. Und so eine Selbstillusion kann auch ein übertriebenes „ich bin leider so fehlerhaft“ sein, das wie eine Schutzmauer vor die eigentlichen Themen geschoben wird, anstatt sich aufrecht dem Partner und der Wahrheit zu stellen.

Normalerweise ist ein Partner unzufrieden, will etwas verändern – und dieser sollte in Therapie kommen, statt den anderen mitziehen zu wollen. Wenn er ehrlich an sich arbeitet, wirkt dies auf beide Partner und die Partnerschaft entwickelt sich. Es ist ein Irrglaube, dass beide in Therapie kommen müssten. Es sollte derjenige kommen, der ein inneres Bedürfnis und den Willen hat, Therapie zu machen. Fast immer trägt der Partner eine andere wichtige Aufgabe in der Partnerschaft oder bringt auf andere Weise heilsame Entwicklung mit ein. - Jeder bringt ein, was er am besten kann. Da beide Partner ein System bilden, wirkt das, was der eine tut, unmittelbar auf den anderen. All die Liebe, die wir einbringen, breitet sich aus - genauso wie unsere unguten Gefühle. Deshalb beschenken wir uns selbst genauso wie unseren Partner, wenn wir an unserer Liebesfähigkeit arbeiten.
Was nicht funktioniert, ist, dass ein Partner den anderen schickt, weil dieser an sich arbeiten sollte, denn wer nicht diesen “Heldenmut” in sich verspürt, wird es nicht schaffen, über sein Ego hinauszuwachsen - und oftmals hat er einfach andere, wichtige Aufgaben in der Partnerschaft zu tragen.

Jede Sitzung, in welcher an einem Paarthema gearbeitet wird, ist – wenn wir genau hinschauen - mit Angst verbunden, da wir sofort an die heiklen Punkte kommen. Nur, wenn wir begreifen, dass wir genau hier – im Angesicht der Angst – am meisten wachsen, entwickeln wir den Heldenmut, der nötig ist, um über unser Ego hinaus zu unserem Partner hin zu wachsen.
Ja, es braucht den Heldenmut in uns – wie im Märchen - , damit Märchen wahr werden.  Genau dort, wo es innerlich beginnt, richtig weh zu tun, ist der Punkt, an dem wir uns selbst noch nicht genügend lieben, weshalb wir diesen vom Partner durch sein Verhalten gezeigt bekommen. Unser Partner – und unser Therapeut -  sind nur unsere Entwicklungshelfer. Wenn wir dies begreifen, beginnt eine heilende Dynamik einzusetzen und die zerstörerische sich zu reduzieren.

Also:
Paartherapie, die wirklich heilt, ist und bleibt ein elementares Thema – wie Geburt und Sterben – und nur, wer zum Helden wird, wer sich seinen Illusionen und Vermeidungen stellt, wird wie im Märchen belohnt.

Wer die Schuld für die unangenehmen Gefühle, die in einer Partnerschaft und einer Paar-(orientierten)-Therapie ausgelöst werden, beim Partner oder Therapeuten statt in seinem eigenen Ego sucht, erfährt kurzfristige Erleichterung, da die Ego-Abwehr wegfällt, jedoch keine Heilung. Wer seine Ego-Verletzungen als Gründe hochhält, warum er nicht in Liebe und Wahrheit auf seinen Partner zugehen kann, bleibt in seiner eigenen Begrenztheit hängen und erlebt leider noch nicht das Wunder gemeinsamen Wachsens.

Die Welt steht offen für den, der sich tapfer seinen eigenen Schatten stellt.
Oder, wie das so schön in der Bibel ausgedrückt ist: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Angst, sondern des Mutes/der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!“ (2. Tim. 1,7)

Copyright Ute Mahr Okt. 2010
 
 

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